diagnose:funk
Umwelt- und
Verbraucherorganisation zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung e. V.
Pressemitteilung, 5. September 2025
Führender Wissenschaftler: Geltende Mobilfunkgrenzwerte sind ungeeignet, die Bevölkerung umfassend zu schützen
Grenzwertempfehlungen "wissenschaftlich nicht begründet", "versäumen eine wirksame Risikovorsorge und missachten zentrale Prinzipien des Strahlenschutzes."
Stuttgart, 5.9.2025: Die Umwelt- und Verbraucherorganisation diagnose:funk veröffentlicht heute in deutscher Übersetzung [1] (siehe unten) die scharfe Kritik des führenden Strahlungsexperten Prof. James C. Lin an den geltenden Mobilfunkgrenzwerten. Lin weist nach, dass die derzeitige Strahlenschutzpolitik auf einer Verfälschung der Studienlage beruht, die Geschäfte der Industrie legitimiert und die Gesundheit der Bevölkerung gefährdet. Er zeigt auf, dass die ICNIRP-Grenzwertempfehlungen, auf denen die deutschen Mobilfunkgrenzwerte beruhen, "wissenschaftlich nicht begründet" sind, sie "versäumen eine wirksame Risikovorsorge und missachten zentrale Prinzipien des Strahlenschutzes." Die Grenzwerte ignorierten zudem die "chronische Toxizität und Karzinogenität" der Mobilfunkstrahlung und seien somit "ungeeignet", die Bevölkerung zuverlässig zu schützen. Im Vorwort von diagnose:funk zur Übersetzung [2] finden Sie alle zentralen Zitate aus Prof. Lins Text.
James C. Lin ist emeritierter Professor für Biophysik an der University of Illinois, Chicago. Er war Herausgeber der Fachzeitschrift Bioelectromagnetics sowie langjähriges Mitglied des IEEE Committee on Man and Radiation (COMAR), Vorsitzender des IEEE International Committee on Electromagnetic Safety (ICES) und lange führendes Mitglied der Internationalen Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (ICNIRP). Lin wurde für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen mit mehreren renommierten Preisen geehrt, darunter dem d'Arsonval Award der Bioelectromagnetics Society - der höchsten internationalen Auszeichnung auf diesem Gebiet - sowie ganz aktuell mit dem IEEE Microwave Career Award 2025, mit dem außergewöhnliche Beiträge zur Mikrowellentheorie und -technologie gewürdigt werden.
"Die Kritik von Prof. Lin an den geltenden Mobilfunkgrenzwerten ist heftig und eindeutig", sagt Jörn Gutbier, Vorsitzender von diagnose:funk. "Wenn ein international renommierter Strahlungsexperte zu solch starken Aussagen greift, dann muss an der Kritik auch etwas dran sein, dann muss die Welt davon erfahren, dann muss sich politisch etwas ändern! Bislang will die Politik jedoch nichts von den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Mobilfunkstrahlung und Gesundheit hören. Ändert sich das jetzt, nachdem der Strahlungspapst Prof. Lin mal auf den Tisch gehauen hat". Es wäre an der Zeit und würde uns allen guttun, denn mobile Kommunikation ist auch strahlungsarm und damit gesundheitsverträglich möglich, wenn die Technik sinnvoll genutzt wird."
Die Kritik von Prof. Lin ist nicht die einzige wissenschaftlich fundierte Äußerung zu Mobilfunkgrenzwerten, aber die bislang schärfste. Bereits 2022 hatte die International Commission on the Biological Effects of Electromagnetic Fields (icbe-emf.org)[3] in einer Studie [4] aufgezeigt, dass die ICNIRP-Grenzwertempfehlungen, auf denen auch die deutschen Mobilfunkgrenzwerte basieren, wissenschaftlich nicht haltbar sind. Auf Grund dieser wissenschaftlichen Expertisen kritisiert diagnose:funk die erneute Behauptung der Bundesregierung im 11. Mobilfunkbericht an den Bundestag [5], dass unterhalb der Grenzwerte keine Gesundheitsgefährdungen nachgewiesen seien (S. 3 Mitte). Dies ist eine Verfälschung der Studienlage, um die Ausbauinteressen der Mobilfunkindustrie zu legitimieren.
Prof. James C. Lin geht sogar noch weiter: Aktuelle, von der WHO beauftragte Studien zu den biologischen Wirkungen der Mobilfunkstrahlung bewertet Lin ebenfalls negativ: Er spricht von einer "mangelnden wissenschaftlichen Qualität und der unausgewogenen Darstellung", er kritisiert "eine erkennbare Voreingenommenheit" der Studienautoren. Sie würden folglich die Gesundheitsrisiken verharmlosen. Zu diesen massiv kritisierten Studien gehört auch die Entwarnungsstudie von Karipidis et al. (2024), die im September 2024 in vielen deutschen und internationalen Medien [6] unhinterfragt zitiert wurde. Mehrere renommierte Wissenschaftler fordern bereits die Rücknahme dieser kritisierten Studie von Karipidis, siehe die Kommentare im EMF-Portal [7].
In der Studiendatenbank EMF:data [8] dokumentiert diagnose:funk
bereits über 700 Studien, die gesundheitsschädliche Effekte durch
Funkstrahlung unterhalb der Grenzwerte zeigen.
diagnose:funk e.V. ist eine unabhängige Verbraucherschutz-Organisation im deutschsprachigen Raum, die sich für den Schutz vor elektromagnetischer Strahlung einsetzt. Dazu klärt diagnose:funk über die gesundheitsschädigenden Wirkungen elektromagnetischer Strahlung auf und fordert zukunftsfähige technische Lösungen für eine gesundheitsverträgliche Telekommunikation.
Publikation zum Thema:
Brennpunkt Ausgabe September 2025
Geltende Mobilfunkgrenzwerte sind ungeeignet, die Bevölkerung
umfassend zu schützen
Stand: 8.9.2025
Format: A4
Seitenanzahl: 28
Veröffentlicht am: 01.09.2025
Bestellnr.: 252
Sprache: deutsch
Herausgeber: diagnose:funk
Autor:
James C. Lin / diagnose:funk
Inhalt:
Mit diesem neuen Brennpunkt veröffentlicht diagnose:funk den Artikel
"Gesundheits- und Sicherheitspraktiken und -richtlinien in Bezug auf
die Exposition des Menschen gegenüber HF-/Mikrowellenstrahlung" von
Prof. James C. Lin. James C. Lin, einer der führenden
Strahlungsexperten, kritisiert die Grenzwertempfehlungen der ICNIRP,
die in Deutschland übernommen wurden, scharf: Sie "sind umstritten"
und "wissenschaftlich nicht begründet", "versäumen eine wirksame
Risikovorsorge und missachten zentrale Prinzipien des
Strahlenschutzes." Die Grenzwerte ignorierten die "chronische
Toxizität und Karzinogenität" der Strahlung und seien somit
"ungeeignet", die Bevölkerung zuverlässig zu schützen. Auch aktuelle,
von der WHO beauftragte Studien zu den biologischen Wirkungen der
Mobilfunkstrahlung bewertet Lin negativ: Er spricht von einer
"mangelnden wissenschaftlichen Qualität und der unausgewogenen
Darstellung", er kritisiert "eine erkennbare Voreingenommenheit" der
Studienautoren. Sie würden folglich die Gesundheitsrisiken
verharmlosen.
Download:
Brennpunkt Ausgabe September 2025 (PDF, 1.1 MB)
Geltende Mobilfunkgrenzwerte sind ungeeignet, die Bevölkerung
umfassend zu schützen
https://www.diagnose-funk.org/download.php?field=filename&id=569&class=DownloadItem
Querverweise:
→ Brennpunkt: Geltende Mobilfunkgrenzwerte sind ungeeignet, die
Bevölkerung zu schützen
http://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail?newsid=2265
Weiterführende Links
→ Artikel von Prof. Lin im englischen Original
https://www.frontiersin.org/journals/public-health/articles/10.3389/fpubh.2025.1619781/full
Links:
[1] https://www.diagnose-funk.org/2265
[2] https://www.diagnose-funk.org/2265
[3] https://icbe-emf.org/
[4] https://www.diagnose-funk.org/1937
[5] https://dserver.bundestag.de/btd/21/000/2100013.pdf
[6] https://www.diagnose-funk.org/2127
[7] https://www.emf-portal.org/de/article/55868
[8] https://www.emfdata.org/
weitere Informationen:
https://www.diagnose-funk.org
Artikel veröffentlicht: 05.09.2025
Autor: Matthias von Herrmann
https://www.diagnose-funk.org/aktuelles/artikel-archiv/detail&newsid=2272
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Quelle:
diagnose:funk
Umwelt- und Verbraucherorganisation zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung e. V.
Pressemitteilung vom 05.09.2025
Bismarckstr. 63, 70197 Stuttgart
Tel.: 069/36 70 42 03, Fax: 069/36 70 42 06
E-Mail: info@diagnose-funk.de
Internet: https:// www.diagnose-funk.org
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 19. September 2025
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