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NACHRUF/004: Assata Shakur in Havanna gestorben (poonal)


poonal - Pressedienst lateinamerikanischer Nachrichtenagenturen

Assata Shakur in Havanna gestorben


Das kubanische Außenministerium gab den Tod der gebürtigen US-Amerikanerin Assata Shakur in Havanna bekannt. Die 79-jährige Schwarze Aktivistin wurde jahrzehntelang vom FBI gesucht.

(San Juan, 27. September 2025, Prensa Latina/poonal) Das kubanische Außenministerium gab am 26.09.2025 den Tod der gebürtigen US-Amerikanerin Assata Shakur in Havanna bekannt. Als Todesursache wurden "Gesundheitsprobleme infolge ihres hohen Alters" genannt.

Schwarzer Aktivismus

Assata Shakur gilt als bemerkenswerte Persönlichkeit der amerikanischen Politikgeschichte. Am 16. Juli 1947 in New York City geboren, kam sie als Studentin in Kontakt mit der Bürgerrechtsbewegung und schloss sich der Black Panther Party an. Sie unterstützte die Stadtteilpolitik der Schwarzen Bürgerrechtler*innen, arbeitete mit Kindern aus ihrem Viertel und gelangte später zur marxistischen Untergrundorganisation Black Liberation Army. Bereits Anfang der 70er wurde sie aufgrund verschiedener Straftaten gesucht. Als sie am 2. Mai 1973 mit dem Auto in eine Verkehrskontrolle geriet, kam es zu einer Schießerei, bei der ein Polizist lebensgefährlich verletzt und ein weiterer getötet wurden. Assata wurde angeschossen, verhaftet und kam in New Jersey vor Gericht, wo sie wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Sie selbst bezeichnete sich als Opfer einer politischen Hetzjagd und bestand immer darauf, nicht geschossen zu haben. Am 2. November 1979 gelang ihr mit Unterstützung eines Kommandos der Black Liberation Army die Flucht aus dem Gefängnis. Anschließend lebte sie fünf Jahre lang im Untergrund, bis sie 1984 politisches Asyl in Kuba erhielt, wo sie bis zu ihrem Tod am 25. September 2025 lebte.

Eine der meistgesuchten Flüchtigen in der Geschichte der Vereinigten Staaten

Vom Tag ihrer Flucht an stand sie als erste Frau auf der Fahndungsliste der meistgesuchten Terroristen des Federal Bureau of Investigation (FBI). Im Mai 2013 wurde eine Belohnung von zwei Millionen Dollar für ihre Ergreifung ausgesetzt. Im Zuge der Verhandlungen über eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und Kuba brachten die US-amerikanischen Vertreter auch die Auslieferung Shakurs ins Gespräch, was die Regierung Castro jedoch ablehnte und auf ihr Recht verwies, politisches Asyl nach eigenem Ermessen zu gewähren.

Feministinnen würdigen Assatas Vermächtnis

Die feministische Kollektivgruppe "Colectiva Feminista en Construcción" aus Puerto Rico würdigt das Vermächtnis von Assata Shakur in der Schwarzen Befreiungsbewegung bis zu ihrem Exil in Kuba, wo sie am vergangenen Donnerstag verstarb. "Assata hinterließ uns ein Vermächtnis des Widerstands und der radikalen Liebe zu ihrem Volk. In ihrer Autobiografie lehrte sie uns, dass Unterdrückung nicht mit Schweigen bekämpft werden kann, sondern mit Organisation, politischer Klarheit und tiefem Engagement", erklärte die puertoricanische Gruppe in einer schriftlichen Stellungnahme. Assata sei von der US-Regierung verfolgt und kriminalisiert worden. In dem Nachruf erinnern die Feministinnen an Assatas Flucht aus dem Gefängnis und ihre Aufnahme in Kuba, wo sie bis zu ihrem Tod im Alter von 78 Jahren unter dem Schutz einer Nation gelebt habe, die der jahrhundertealten kolonialen Aggression widerstanden habe. "Ihr aufopferungsvolles Engagement für die Befreiung des Volkes inspiriert und motiviert uns, ihr Vermächtnis fortzuführen", so Colectiva Feminista en Construcción. Assata Shakur selbst habe die Menschen gelehrt, dass "wir es uns nicht leisten können, Zuschauer zu bleiben, während sich unser Leben verschlechtert". Das Leben der amerikanischen Revolutionärin "ruft uns dazu auf, zu handeln, mit Kraft zu lieben und mit Bewusstsein zu kämpfen", heißt es in dem feministischen Nachruf.


URL des Artikels:
https://www.npla.de/thema/repression-widerstand/assata-shakur-in-havanna-gestorben/

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https://www.prensa-latina.cu/2025/09/27/destaca-colectiva-feminista-de-puerto-rico-legado-de-assata-shakur/


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veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 2. Oktober 2025

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