Schattenblick → INFOPOOL → UMWELT → ARTENSCHUTZ


PFLANZEN/191: Zerstörung von geschützten Frauenschuhbeständen muss bestmöglich wiedergutgemacht werden (BN)


BUND Naturschutz in Bayern e.V. - München, 15. September 2025

Zerstörung von geschützten Frauenschuhbeständen muss bestmöglich wiedergutgemacht werden


Vor dreieinhalb Jahren wurden 100-120 Frauenschuhpflanzen durch Glyphosat zerstört. Jetzt hat die Regierung von Schwaben nach einem Antrag des BN nach dem Umweltschadensgesetz ein Sanierungskonzept erstellt, welches der Verursacher des Schadens nun auf eigene Kosten umsetzen muss.


Der Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolus) ist eine der prächtigsten wildwachsenden Orchideenarten Europas und ist europarechtlich streng geschützt. In den Lechauwäldern im Landkreis Donau-Ries befinden sich noch Bestände dieser selten gewordenen und im Bestand in Bayern gefährdeten Pflanzenart. Nun hat die Regierung von Schwaben einen Sanierungsbescheid erlassen, nach dem der Verursacher der illegalen Spritzaktion den Wald als Lebensraum für den Frauenschuh verbessern muss. Zudem muss er die Ansaat von Frauenschuhsamen und ein Monitoring bis 2037 auf seinen Grundstücken im Auwald bei Oberndorf auf eigene Kosten dulden. So sollen neue Frauenschuhpflanzen in dem Wald wiederangesiedelt werden. Ob das gelingt, ist allerdings unklar, weil bis zur Keimung 8-12 Jahre vergehen können und besondere Bedingungen passen müssen.

"Wir haben wiederholt einen Bescheid nach Umweltschadensgesetz angemahnt und sehr lange darauf warten müssen. Aber jetzt ist klar, dass der Umweltfrevel im Lechauwald - das Abspritzen eines großen Frauenschuhbestandes mit Glyphosat - nicht ungesühnt bleibt. Geschützte Pflanzen zu zerstören, ist kein Kavaliersdelikt. Daher erfolgt nun die Wiedergutmachung über viele Jahre", so Alexander Helber, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Donau-Ries.

Dr. Christine Margraf, Leiterin des BN-Artenschutzreferates, freut sich über den Bescheid: "Obwohl das Umweltschadensgesetz bereits seit 2007 gilt, wurde es von den bayerischen Behörden bisher kaum angewandt. Es ist sehr wichtig und gut, dass die Regierung von Schwaben das Gesetz in diesem Fall konsequent anwendet und umfangreiche Sanierungsmaßnahmen angeordnet hat."

Hintergrund:
Der Frauenschuh ist die wohl attraktivste Orchidee Deutschlands und kommt leider auch in Bayern immer seltener vor. Er ist laut "Rote Liste" als gefährdet eingestuft. Die schöne Blume mit der pantoffelförmigen Blüte mag lichte Wälder. Die Vorkommen am Lech spielen eine besondere Rolle für die Verbindung der Bestände in den Alpen und in der Fränkischen Alb.

Weitere Infos über den Frauenschuh unter:
https://www.bund-naturschutz.de/pflanzen-in-bayern/gelber-frauenschuh-orchidee

Hintergrund zur Zerstörung des Frauenschuh-Bestandes im Lechauwald:
https://donauries.bund-naturschutz.de/aktuelles/artikel/umweltschadensantrag-und-strafanzeige-wegen-zerstoerung-eines-orchideenstandorts-des-streng-geschuetzten-frauenschuhs
https://donauries.bund-naturschutz.de/aktuelles/artikel/frauenschuhstandort-zerstoert-naturfrevel

*

Quelle:
Presseinformation, 15.09.2025
BUND Naturschutz in Bayern / Schwaben
Pettenkoferstraße 10a, 80336 München
E-Mail: schwaben@bund-naturschutz.de
BUND Naturschutz in Bayern e.V.
Landesgeschäftsstelle
Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg
Tel. 0941/297 20-0, Fax 0941/297 20-30
E-Mail: info@bund-naturschutz.de
Internet: www.bund-naturschutz.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 19. September 2025

Zur Tagesausgabe / Zum Seitenanfang