Mitwelt-Stiftung-Oberrhein
2025 - Ökologische Flutungen und Integriertes Rheinprogramm IRP: Naturschutz & Hochwasserschutz & lokale Egoismen
Veröffentlicht am 23.09.2025 in der Kategorie Wasser von Axel Mayer
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Aktueller Einschub:
Das Landratsamt hat im September 2025 "Grünes Licht für den seit
vielen Jahren umstrittenen Polder Wyhl/Weisweil" gegeben, meldet die
Badische Zeitung
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Das heftige Hochwasser im Schwarzwald und an der Elz und Dreisam in
der ersten Woche im Januar 2018, zeigte wieder einmal deutlich den
wichtigen zweiten Aspekt der Renaturierung unserer Flüsse [1], den
Hochwasserschutz. Zumindest ein kleiner Teil des Hochwassers wurde
zurückgehalten und gebremst. Angesichts der sichtbaren Erfolge für
Mensch und Natur ist der Widerstand gegen die Renaturierung anderer
Flussabschnitte und gegen die ökologischen Aspekte des Integrierten
Reinprogramms [2] immer unverständlicher.
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Eines der Hauptkonfliktfelder des Integrierten Rheinprogramms sind die
Ökologischen Flutungen, ein zentraler Naturschutz-Aspekt des IRP.
Während die Experten von Alsace Nature, BUND, NABU und die Fachleute
des Aueninstituts diese Maßnahmen einhellig begrüßen, wird entlang des
Rheins massiv Stimmung dagegen gemacht. Kiesindustrie & die Paten der
Kiesindustrie in der Politik, Jogger, Landwirte, Sportvereine und
andere Nutzer der Auen verstecken ihre Interessen hinter
vorgeschobenen ökologischen Argumenten. Wir erleben es zur Zeit immer
öfter, dass Einzelpersonen, Naturnutzer und Gruppen in den großen Topf
der Ökologie hineingreifen, sich eine einzelne Art herausholen und
darauf ihre Argumentation aufbauen. Doch Ökologie ist mehr, Ökologie
ist immer auch die Lehre von den Zusammenhängen. In einigen Gebieten
am Rhein hat sich aus der Wechselwirkung zwischen örtlichen
Bürgerinitiativen und Medien eine "lokale Insel-Wahrheit", ein
undurchdringlicher "Echoraum" der eigenen Meinung herausgebildet.
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Das Integrierte Rheinprogramm (IRP)
soll nicht nur dem Hochwasserschutz dienen, es ist auch eines der ganz
großen Umwelt- und Naturschutzprojekte in Baden-Württemberg. Der
dringend notwendige Hochwasserschutz für die Menschen am Rhein soll
mit großflächiger Auenrenaturierung verbunden werden und ist so eine
Chance für mehr Natur entlang des Rheins. Ein unerlässlicher
Bestandteil des IRP sind Ökologische Flutungen. Mit ihnen soll der
dynamische Wechsel zwischen niedrigen und hohen Wasserständen in den
ehemaligen Rheinauen ein Stück weit wieder hergestellt werden. Nur so
können Flora und Fauna an kommende Hochwassersituationen angepasst
werden. Nur die Ökologischen Flutungen bieten die Chance, dass aus den
geringen Resten an Natur, die der Mensch dem Fluss gelassen hat,
wieder Auewälder werden. Doch seit einiger Zeit begleitet zunehmender
Widerstand das Rheinprogramm und insbesondere die Ökologischen
Flutungen. Überall, wo Polder geplant werden, und wo die Gemeinden
viel zu nahe am Rhein Siedlungen gebaut haben, sind Bürgerinitiativen
gegen die Planungen und insbesondere gegen die Ökologischen Flutungen
aktiv. Argumentiert wird "ökologisch". Doch die Angst vor nassen
Kellern, vor Schnaken, Schlamm, "Unordnung" und Wildnis im Wald stehen
im Hintergrund dieser Argumentation.
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Ordnung & Sauberkeit contra "wilde" Natur
Bei vielen großen Konfliktthemen im Naturschutz am Oberrhein und im
Schwarzwald schimmert immer wieder eine deutsche Urangst hervor. Es
ist die große Angst vor Veränderung und Unordnung. Das beginnt im
Kleinen, beim sauber auf- und ausgeräumten Garten, in dem kein Vogel
mehr einen Brutplatz findet. Es geht weiter mit der auf- und
ausgeräumten Kulturlandschaft, wo Hochstammbäume und Hecken in der
Maissteppe nichts mehr zu suchen haben. Doch auch die großen Konflikte
um den Nationalpark Nordschwarzwald oder um die Ökologischen Flutungen
beim Integrierten Rheinprogramm sind von solchen Ängsten geprägt. Ein
Wald, der sich "ungeplant und nicht von Menschen gesteuert" verändert,
eine neu entstandene Kiesbank nach einem Hochwasser im Taubergießen...
Solche Veränderungen oder gar "Wildnis" lösen tiefsitzende Ängste aus.
Hier könnten die örtlichen Medien aufklären, doch häufig verstärken
sie die geschickt geschürten Ängste vor Veränderung und Natur.
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Dort, wo die ersten Polder schon realisiert sind
(zum Beispiel in Altenheim), sorgen leistungsstarke Pumpen dafür, dass
das Grundwasser nicht steigt. Schäden bei heutigen Hochwässern sind
"höhere Gewalt", das heißt, wenn entgegen allen Annahmen in Zukunft
Schäden auftreten, dann müsste der Staat die Folgekosten tragen und
nicht die Anwohner. Wirtschaftliche Interessen stecken leider auch
häufig hinter den Widerständen. Die Kieswirtschaft und ihre Paten in
der Politik befürchten durch die Ökologischen Flutungen im
zerstörerischen Kiesabbau entlang des Rheins, nördlich von Breisach,
eingeschränkt zu werden. Der Widerstand der Kiesindustrie gegen die
Ökologischen Flutungen war bisher noch kein Thema in den örtlichen
Medien.
Ökologische Schlutenlösung
Manche Bürgerinitiativen bringen als Alternative zu den Ökologischen
Flutungen eine "Ökologische Schlutenlösung" ins Gespräch. Die
ehemaligen, teilweise trocken liegenden, alten Rheinarme sollen
ausgebaggert und zu ständig fließenden Bächle werden. Angedacht ist
die Erweiterung der bereits vorhandenen Schluten und Öffnung und
Durchflutung früherer Altrheinarme. Info der BI Breisach Aus Sicht des
Naturschutzes ist die eher eine "Stadtparklösung", die mit echter
Auenrenaturierung und Naturschutz wenig zu tun hat.
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Ökologische Flutungen, Querriegel und die VertreterInnen der
"reinen Lehre"
- Wer "nur" den technischen Hochwasserschutz sieht, muss möglichst
hohe Querriegel, Dämme und maximale Einstauhöhen fordern.
- Wer "nur" auf Naturschutzaspekte achtet, verwirft alle Querriegel
und fordert das freie fließendes Wasser in den Auen.
Und doch müssen wir Hochwasserschutz mit Naturschutz verbinden und
das bedeutet eben Kompromisse.
Kieslobbyisten, Gruppen und Bürgerinitiativen,
die aus vielfältigen Gründen die Ökologischen Flutungen und damit die
Naturschutzaspekte des IRP ablehnen, greifen immer wieder
Teilargumente einzelner Vertreter der "reinen Lehre" des Naturschutzes
auf und missbrauchen diese, um die ökologisch sinnvollen und
notwendigen Flutungen zu verhindern.
Wer den Wegfall oder niedrigere Querriegel fordert (was aus
Naturschutzsicht durchaus sinnvoll wäre), der muss auch
Dammrückverlegungen fordern und durchsetzen, damit die gleiche Menge
Wasser für den Hochwasserschutz zurückgehalten werden kann.
Die großen Naturschutzverbände haben Kompromisse akzeptiert, um den
dringend notwendigen, schnellen Hochwasserschutz nicht zu
behindern.
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Alsace Nature,
die große elsässische Dachorganisation steht voll und ganz hinter dem
Konzept der Ökologischen Flutungen, wie Daniel Reininger, Präsident
von Alsace Nature bei einer Tagung im Januar 2017 in Breisach erklärt
hat.
Auch BUND, NABU, LNV, AK-Wasser und Aueninstitut
stehen dazu, dass beim IRP Hochwasserschutz und Naturschutz verbunden
werden müssen. Und das geht eben nur mit den notwendigen Ökologischen
Flutungen. Besonders wichtig ist dabei die Meinung von Experten wie
Emil Dister, dem ehemaligen Leiter des Aueninstituts. Er hat über
viele Jahrzehnte Auenforschung in Europa, Südamerika, Westafrika und
an verschiedenen Flüssen wie z.B. Rhein, Loire, Elbe, Oder, Rio
Magdalena, March und Donau betrieben.
Auch das Bundesamt für Naturschutz
schrieb in einer Presseerklärung am 1. Oktober 2003: "Auetypische
Flutungen am Oberrhein sind notwendig" und weiter: "Die
Hochwasservorsorge darf nicht vernachlässigt werden. Das Bundesamt für
Naturschutz begrüßt deshalb, dass Länder wie Baden-Württemberg mit dem
'Integrierten Rheinprogramm' (IRP) zum Hochwasserschutz beitragen",
sagte der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Professor
Dr. Hartmut Vogtmann. Das BfN unterstützt das IRP stromabwärts von
Breisach im Hinblick auf eine naturverträgliche Hochwasservorsorge.
Insbesondere werden "ökologische Flutungen im natürlichen Wechsel mit
anhaltend niedrigen Wasserständen" als Voraussetzung für einen
naturverträglichen Hochwasserschutz vom BfN befürwortet. Nur naturnahe
Hoch- und Niedrigwasserstände vermögen in den Auen wieder die
natürlichen Bedingungen für eine auetypische Tier- und Pflanzenwelt zu
schaffen. Naturnahe Überflutungsauen sind auch am besten geeignet,
hohe Abflüsse zu verzögern, großräumig abzusenken und so Menschen vor
Schäden zu bewahren". Zitatende
(leider fand sich diese Presseerklärung nicht in der örtlichen Presse,
die um so intensiver über die Argumente der BI's berichet)
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Am 19. September 2014 hat das Bundesverwaltungsgericht [3] die
Rechtmäßigkeit von Ökologischen Flutungen beim IRP bestätigt.
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Denken könnte nützen
www.mitwelt.org
Ökologische Flutungen und Integriertes Rheinprogramm: Naturschutz &
Hochwasserschutz & lokale Egoismen
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Rhein & Integriertes Rheinprogramm - IRP aktuell
Hochwasserschutz und Auenrenaturierung am Rhein - eine große Chance
für Mensch und Natur
Rhein, Rheinprogramm, IRP, Hochwasserschutz & Naturschutz
Eines der Hauptkonfliktfelder des Integrierten Rheinprogramms sind die
Ökologischen Flutungen, ein zentraler Naturschutz-Aspekt des IRP.
Während die Experten von Alsace Nature, BUND, NABU und die Fachleute
des Aueninstituts diese Maßnahmen einhellig begrüßen, wird entlang des
Rheins massiv Stimmung dagegen gemacht. Kiesindustrie, Jogger,
Landwirte, Sportvereine und andere Nutzer der Auen verstecken ihre
Interessen (und teilweise auch Ängste) hinter vorgeschobenen
ökologischen Argumenten. Wir erleben es zur Zeit immer öfter, dass
Einzelpersonen, Naturnutzer und Gruppen in den großen Topf der
Ökologie hineingreifen, sich eine einzelne Art herausholen und darauf
ihre Argumentation aufbauen. Doch Ökologie ist mehr, Ökologie ist
immer auch die Lehre von den Zusammenhängen. In einigen Gebieten am
Rhein hat sich aus der Wechselwirkung zwischen örtlichen
Bürgerinitiativen und lokalen Medien eine "Insel-Wahrheit", ein
undurchdringlicher "Echoraum" der eigenen Meinung herausgebildet.
Dieser Konflikt wird vermutlich nur durch letztinstanzliche Urteile
von Gerichten geklärt werden können.
[quote]
Das Hochwasser im Schwarzwald und an der Elz und Dreisam in der ersten
Woche im Januar 2018, zeigte auch den wichtigen zweiten Aspekt der
Renaturierung unserer Flüsse, den Hochwasserschutz. Zumindest ein
kleiner Teil des Hochwassers wird zurückgehalten und gebremst.
Angesichts der sichtbaren Erfolge für Mensch und Natur ist der
Widerstand gegen die Renaturierung anderer Flussabschnitte und gegen
die ökologischen Aspekte des Integrierten Reinprogramms immer
unverständlicher.
Bis 2040 werden weltweit Millionen Menschen zusätzlich von
Überschwemmungen betroffen sein, sagen aktuelle Studien. Allein in
Deutschland könnte die Zahl der Betroffenen um das Siebenfache
ansteigen, warnen Forscher auf Basis aktueller Daten.
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Leitartikel: Das IRP: Das von Lobbygruppen massiv bekämpfte
Rheinprogramm
Hintergrund: Integriertes Rheinprogramm IRP: Hochwasserschutz &
Naturschutz & Auenschutz
https://www.mitwelt.org/integriertes-rheinprogramm-irp.html
Aktuell:
Ökologische Flutungen und Integriertes Rheinprogramm
https://www.mitwelt.org/oekologische-flutungen-integriertes-rheinprogramm.html
Ein sehr informativer, kurzer Film zum IRP, zum heftig bekämpften
Integrierten Rheinprogramm, findet sich auf youtube
https://www.youtube.com/watch?v=iJwJSsOEqBk
Reiner Rhein / Die langen Kämpfe für eine bessere Wasserqualität im
Rhein
https://www.mitwelt.org/rhein-wasser-qualitaet.html
90-Meter-Streifen - Auskiesung zum Hochwasserschutz
https://www.mitwelt.org/auskiesung-zum-hochwasserschutz.html
Einfluss der Kieswirtschaft auf die Debatten zum Integrierten
Rheinprogramm
https://www.mitwelt.org/kies-wirtschaft-rheinprogramm-irp.html
Resolution zum Hochwasserschutz (IRP und 90-Meter-Streifen) zwischen
Basel und Breisach
https://www.mitwelt.org/resolution-hochwasserschutz-basel-breisach.html
Aktuell: Erweiterung Nationalpark Schwarzwald: Säger, Jäger,
FDP & CDU gegen Natur & Naturschutz
https://www.mitwelt.org/nationalpark-nordschwarzwald.html
Infosammlung: Natur, Naturschutz & Naturgebiete, in Südbaden, im Elsass und am Oberrhein
Hier geht's zum regionalen Naturschutz-Newsletter
https://www.mitwelt.org/newsletter-mailingliste-atom-umwelt-alemannisch.html
Leitartikel: Natur: Südbaden, Elsass & Oberrhein - Der stille Verlust
der Vielfalt
https://www.mitwelt.org/natur-naturschutz-baden-elsass-oberrhein.html
Hintergrund: Waldsterben 2.0: Wo bleibt der Aufschrei der
Umweltbewegung?
https://www.mitwelt.com/waldsterben.html
weitere verlinkte Beiträge siehe Originalartikel:
https://www.mitwelt.org/oekologische-flutungen-integriertes-rheinprogramm.html
Anmerkungen:
[1] http://www.bund-rvso.de/renaturierung-elz-dreisam-kinzig-glotter.html
[2] http://www.bund-rvso.de/oekologische-flutungen-irp-rhein.html
[3] http://www.bverwg.de/entscheidungen/entscheidung.php?lang=de&ent=190914B7B7.14.0
*
Quelle:
Mitwelt Stiftung Oberrhein, 23.09.2025
mit freundlicher Genehmigung des Autors Axel Mayer
Venusberg 4, 79346 Endingen
mitwelt.stiftung(at)gmx.net
https://www.mitwelt.org
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 2. Oktober 2025
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