Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL - 03.11.2025 10:17
Die Baumsterblichkeit durch Insekten nimmt in ganz Europa zu
Die durch Insekten verursachte Baumsterblichkeit steigt in ganz Europa, wie eine internationale Studie unter Leitung der Tschechischen Agraruniversität Prag und mit Beteiligung der WSL ergab. Nadelbäume sind stärker betroffen, während die Schäden an Laubbäumen zurückgehen. Am stärksten betroffen sind warme, trockene Regionen - dies hat Auswirkungen auf die Artenauswahl und die Anpassung an den Klimawandel.
Bäume befallende Insekten beeinträchtigen die Wälder Europas zunehmend, jedoch auf uneinheitliche Weise, wie eine in Global Change Biology veröffentlichte internationale Studie zeigt. Das internationale Team aus 17 europäischen Ländern, darunter die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL für die Schweiz, berichtet, dass holzbohrende Insekten zunehmend Schäden an mehreren Nadelbaumarten verursachen. Hingegen ist die Entlaubung durch Raupen verschiedener Mottenarten in den letzten Jahren zurückgegangen. In den gemässigten und borealen Regionen Europas sind die Schäden durch Insekten in wärmeren und trockeneren Gebieten durchweg höher. Das erhöht das Risiko für grosse, plötzlich auftretende Schädlingsbefälle, wenn sich die Klimaextreme verstärken.
«Unsere Ergebnisse zeigen ein klares Signal: Von Nadelbäumen dominierte Wälder sind zunehmend anfällig für Holz- und Rindenbohrkäfer, insbesondere den Buchdrucker, während Laubbaumarten weniger Schäden durch eine vielfältigere Gruppe von Insekten erleiden», sagte Tomáš Hlásny, Erstautor der Studie von der Tschechischen Agraruniversität Prag. «Diese Erkenntnisse sind wichtig, da sie Orientierungshilfen für die Waldbewirtschaftung, die Auswahl von Baumarten, die Anpassung an den Klimawandel und die Planung künftiger Holzmärkte liefern.»
Die Ergebnisse sprechen für Massnahmen, die die Waldbewirtschaftung auf klimaresistentere Baumarten mit einem hohen Anteil an Laubbäumen ausrichten, sowie für eine strengere, interoperable Überwachung von Waldstörungen und den länderübergreifenden Datenaustausch. «Wir brauchen Anpassungsstrategien, die die unterschiedlichen Störungstrends und ungleichmässigen Gefährdungsgrade in den Wäldern Europas widerspiegeln», sagte Hlásny. «Dies erfordert Anstrengungen im Bereich der koordinierten Überwachung von Waldrisiken, einer harmonisierten Datenerfassung und -weitergabe sowie Leitlinien, die von den Verantwortlichen umgesetzt werden können und den Märkten als Informationsgrundlage dienen.»
Die Forschenden stellten jährliche Störungsdaten aus 15 europäischen
Ländern für einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten (2000-2022)
zusammen, darunter Daten von Waldschutz Schweiz und des
Schweizerischen Landesforstinventars, die von der WSL geleitet werden.
Der Datensatz umfasst 1-361 Zeitreihen für 50 Insektenarten. Das Team
analysierte Trends nach Ernährungsgilden (Bohrkäfer vs. Blattfresser),
Wirtsbaumarten (Nadelbäume vs. Laubbäume) und
geografischen/klimatischen Gradienten. Im Rahmen der Arbeit wurde auch
ein neuartiger harmonisierter Datensatz zu Störungen eingeführt, der
bestehende Überwachungsmassnahmen ergänzen und zukünftige
Forschungsarbeiten unterstützen soll.
Bildunterschriften zu den im Schattenblick nicht veröffentlichten Abbildungen der Originalpublikation:
• [Blick auf 'bewaldeten' Berg mit kahlen Flächen]
Waldschäden durch Holz- und Rindenbohrkäfer haben in ganz Europa
erheblich zugenommen. Solche Befälle führen oft zu grossflächigem
Baumsterben (Foto 1, Abb. 1) (Foto: Simon Blaser)
• Blick nach oben auf Baumkronen mit grünen Blättern und kahlen
Ästen vor blauem Himmel.
Liniendiagramm von 2000 bis 2021 zeigt schwankende Zunahme der Holz-
und Rindenbohrkäfer mit Peak um 2018-2020, mit einem Foto eines
Käfers
Starker Blattfrass durch Raupen kann das Wachstum und die Vitalität
beeinträchtigen und gelegentlich zum Absterben von Bäumen führen;
insgesamt hat diese Art von Schäden in den letzten 23 Jahren jedoch
abgenommen. (Foto 2, Abb. 2) (Foto: Valentin Queloz)
Liniendiagramm zeigt Schwankungen der Entlauberfläche auf Laubbäumen
in Millionen Hektar von 2000 bis 2021, mit einem Foto eines fliegenden
Insekts mit grünen Vorderflügeln und durchsichtigen Hinterflügeln.
Originalpublikation:
Hlásny T., Modlinger R., Gohli J., Seidl R., Krokene P., Bernardinelli
I., ... Liebhold A.M. (2025) Divergent trends in insect disturbance
across Europe's temperate and boreal Forests. Glob. Chang. Biol.
31(11), e70580 (19 pp.).
https://doi.org/10.1111/gcb.70580
Weitere Informationen:
https://www.wsl.ch/de/news/die-baumsterblichkeit-durch-insekten-nimmt-in-ganz-europa-zu/
Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung:
https://idw-online.de/de/institution799
Homepage:
http://www.slf.ch
http://www.wsl.ch
*
Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - Pressemitteilung
Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL - 03.11.2025 10:17
WWW: http://idw-online.de
E-Mail: service@idw-online.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 7. November 2025
Zur Tagesausgabe / Zum Seitenanfang