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MASSNAHMEN/391: Grünes Band - Größter deutscher Biotopverbund weiter gewachsen (BUND)


Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) - Pressemitteilung vom 18. September 2025

Grünes Band: Größter deutscher Biotopverbund weiter gewachsen

BUND beendet sechsjähriges Projekt zur Vernetzung von Lebensräumen entlang ehemaliger innerdeutscher Grenze


• Mehr als 500 Biotopstrukturen geschaffen

• Wasserrückhalt in der Landschaft gefördert

• enge Zusammenarbeit mit Land- und Forstwirtschaft

Mit einer positiven Bilanz schließen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und seine Partner heute in Salzwedel (Sachsen-Anhalt) das Projekt "Quervernetzung Grünes Band" ab. Das Projekt lief sechs Jahre, wurde im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert und hat deutschlandweit das Grüne Band mit Lebensräumen in der umgebenden Landschaft vernetzt. Das Grüne Band ist der größte deutsche Biotopverbund und erstreckt sich entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze von der Ostsee in den Bayerischen Wald. Der BUND hat es 1989 direkt nach dem Mauerfall initiiert.

In fünf Regionen ist nun aus dem Band ein Netz entstanden. Ökologische Korridore und Trittsteine führen dort in die Umgebung. Wiedervernässtes Grünland, aufgelockerte Waldsäume, entbuschte Moore und Bergwiesen sowie Biogas-Blühfelder anstelle von Mais-Monokulturen erweitern den Lebensraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. So profitieren etwa Kreuzotter und Kiebitz, Waldbirkenmaus, Orchideen, Arnika und Wildbienen. Außerdem tragen die Maßnahmen dazu bei, Wasser in der Landschaft zurückzuhalten.

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: "Die biologische Vielfalt zu erhalten sowie dafür zu sorgen, dass das Wasser in der Landschaft gespeichert wird, ist für Mensch und Natur ohne Alternative. Denn dies sind die Grundlagen für sauberes Wasser und saubere Luft, Bestäubung, fruchtbare Böden, Schutz vor Dürren und Überschwemmungen. Und nicht zuletzt intakte Lebensräume zur Erholung. Daher sind Projekte wie dieses überlebenswichtig für uns alle."

Der BUND arbeitet eng mit der Land- und Forstwirtschaft vor Ort zusammen. In das Projekt waren mehr als 60 landwirtschaftliche Betriebe eingebunden. Kooperationen wie diese sind wegweisend und unverzichtbar, um Landschaften ökologisch aufzuwerten und klimaresistent zu machen.

Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN): "Dem Projekt 'Quervernetzung Grünes Band' ist es gelungen, die ökologische Durchlässigkeit der Landschaft zu verbessern, so dass Tiere wandern und Pflanzen sich ausbreiten können. So wird auch der genetische Austausch zwischen Populationen gefördert. Gerade in Zeiten des Klimawandels ist das entscheidend, denn Arten brauchen Raum und Wege, um auf veränderte Bedingungen reagieren zu können. Ein durchgängiger Biotopverbund ist daher eine essenzielle Grundlage für den Erhalt der Biodiversität. Wir freuen uns, dass wir mit dem Projekt 'Quervernetzung Grünes Band' einen wichtigen Baustein zum Schutz des einzigartigen Naturraums Grünes Band fördern konnten, denn seine Artenvielfalt und Lebensräume sind von herausragender bundesweiter Bedeutung."

Konkret hat der BUND in dem Projekt knapp 110 Hektar wertvolle Biotopflächen langfristig gesichert, 700 Hektar Grünflächen für den Schutz von Wiesenvögeln verbessert, mehr als zehn Kilometer verbindende Achsen zum Grünen Band geschaffen und gut 530 neue Biotopstrukturen wie Kleingewässer, Brutinseln, Fischadlerhorste und Steinwälle angelegt. Vieles davon ist am Ort der Abschlussveranstaltung, den Brietzer Teichen in Sachsen-Anhalt, entstanden.

Sachsen-Anhalts Umweltstaatssekretär Dr. Steffen Eichner: "Vom einstigen Todesstreifen zur wichtigen Lebenslinie - das Grüne Band ist für die Artenvielfalt auch in Sachsen-Anhalt von enormer Bedeutung. Umso mehr freue ich mich über die erfolgreiche, sukzessive Vernetzung mit umliegenden Biotopen. Auch Sachsen-Anhalt hat in den vergangenen Jahren umfangreich in die Feuchtgebiete im und am Grünen Band investiert. Damit kommen wir unserer Verantwortung für diesen deutschlandweit einzigartigen Biotopverbund nach, der durch die zunehmende Vernetzung noch wertvoller wird."

Bandt: "Wir werden auch künftig an dem Schutz und der Ausweitung des Grünen Bands arbeiten. Denn angesichts der Tatsache, dass in Deutschland mehr als 70 Prozent und in Europa 80 Prozent aller geschützten Lebensräume in einem schlechten Zustand sind, täglich Tier- und Pflanzenarten verschwinden, Lebensräume zerstört oder zerschnitten werden, Böden versiegelt, Moore entwässert und Flüsse begradigt werden, ist das Grüne Band wie eine Arche Noah für die biologische Vielfalt, die es zu bewahren und zu stärken gilt."

Hintergrund:

Das Grüne Band ist mit knapp 1400 Kilometern der längste Biotopverbund Deutschlands. Es zieht sich entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze von der Ostsee bis ins bayrische Vogtland und ist Lebensraum von mehr als 1.200 seltenen und geschützten Arten sowie von über 5000 Arten insgesamt. Der BUND hat es zusammen mit Naturschützer*innen aus Ost und West im Dezember 1989, wenige Woche nach dem Mauerfall, ins Leben gerufen. Denn schon damals war klar, dass viele Arten und Biotope im Schatten der Grenzanlagen ein Refugium gefunden hatten. Heute ist das Grüne Band als Nationales Naturerbe im Bundesnaturschutzgesetz verankert, auf mehr als 80 Prozent der Strecke als Nationales Naturmonument geschützt und eine wichtige kulturelle Erinnerungslandschaft. Seit 2024 steht es auf der deutschen Vorschlagsliste als UNESCO Welterbe. Dennoch gilt es weiterhin Lücken zu schließen, Flächen zu sichern und den Biotopverbund zu erweitern.

Das Projekt Quervernetzung Grünes Band wird bis Ende 2025 mit 4,7 Mio - im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Die fünf Vernetzungsgebiete sind: die Region der Delvenau an der Grenze von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, die Landgraben-Dumme Niederung in Sachsen-Anhalt, das Thüringer Schiefergebirge, der bayrische Landkreis Rhön-Grabfeld sowie - am Grünen Band Europa - der Innere Bayerische Wald an der Grenze von Bayern und Tschechien.

Mehr Informationen:

Quervernetzung Grünes Band
https://www.bund.net/gruenes-band/quervernetzung/
360 Grad Erlebnistouren am Grünen Band
http://www.360-grad.bund.net/gruenes-band
European Green Belt (EN)
http://www.europeangreenbelt.org/

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Quelle:
BUND-Pressedienst, 18.09.2025
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
Freunde der Erde Deutschland
Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin
Email: bund(at)bund.net
Internet: www.bund.net

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 19. September 2025

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