Friedrich-Schiller-Universität Jena - 07.11.2025 13:19
Bislang nicht kultivierbare Bakterien eröffnen neue Einblicke in das Grundwasser-Ökosystem
Ein Forschungsteam des Exzellenzclusters "Balance of the Microverse" an der Friedrich-Schiller-Universität Jena konnte erstmals eine große Bandbreite von Bakterien der schwer kultivierbaren Candidate Phyla Radiation systematisch aus Grundwasser anreichern. Dabei zeigte sich eine überraschende Anpassungsfähigkeit der Bakteriengruppe. Über ihre Erkenntnisse berichten die Forschenden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Microbiome".
Bakterien der Candidate Phyla Radiation (CPR) gehören zu den am
weitesten verbreiteten, aber am wenigsten erforschten Mikroben im
Grundwasser. Sie machen dort bis zu 50 Prozent der
Bakteriengemeinschaft aus. Versuche, diese Bakterien im Labor zu
kultivieren, sind eine Herausforderung, da ihre Populationen unter
Laborbedingungen oft nicht überleben.
Ein Team um Nachwuchsgruppenleiter Dr. Martin Taubert vom
Exzellenzcluster "Balance of the Microverse" der Universität Jena hat
nun erstmals Bedingungen identifiziert, unter denen Vertreter aus
sechs Klassen der CPR im Labor angereichert werden können. Dadurch war
es möglich zu zeigen, dass diese Mikroben deutlich flexibler sind als
bisher angenommen und unter verschiedenen Nährstoffbedingungen
überdauern.
Neben methodischen Grundlagen präsentiert die jetzt veröffentlichte Studie auch neue biologische Erkenntnisse: CPR-Bakterien wachsen nicht nur in sauerstoffarmen, sondern auch unter sauerstoffreichen Bedingungen. Ergänzende Genomanalysen zeigen zudem, dass zahlreiche Vertreter dieser Gruppe Gene für sauerstoffabhängige Stoffwechselprozesse besitzen. Damit wird das bisherige Bild infrage gestellt, wonach CPR ausschließlich auf eine sauerstofffreie, gärende Lebensweise beschränkt sind.
"Weil diese Bakterien so häufig vorkommen und in enger Abhängigkeit von anderen Mikroorganismen leben, haben sie wahrscheinlich einen starken Einfluss auf die Gemeinschaften im Grundwasser", erklärt Dr. Martin Taubert. "Um herauszufinden, wie sich ihre Aktivität auf die wichtigen ökologischen Prozesse im Grundwasser auswirken, ist ihre Anreicherung im Labor ein essenzieller Ausgangspunkt."
Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, auch schwer zugängliche
Mikroorganismen in den Fokus zu rücken. Viele Schlüsselfunktionen von
Ökosystemen beruhen auf Mikroben, die sich im Labor bislang kaum
untersuchen ließen. Mit den nun identifizierten Bedingungen für die
Anreicherung und ersten biologischen Erkenntnissen zu CPR können
künftige Forschungen systematisch an diese Ergebnisse anknüpfen.
Langfristig trägt dies dazu bei, zentrale ökologische Prozesse im
Grundwasser besser zu verstehen.
Originalpublikation:
Gabashvili, E., Küsel, K., Pratama, A.A. et al. Growth of candidate
phyla radiation bacteria in groundwater incubations reveals widespread
adaptations to oxic conditions. Microbiome 13, 224 (2025).
https://doi.org/10.1186/s40168-025-02244-1
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Friedrich-Schiller-Universität Jena - 07.11.2025 13:19
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veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 14. November 2025
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